top of page

Mobilität 2 Üben, bis es Sitzt!

10. Aug.
3 Min. Lesezeit


Sitzen lernen. Für viele Kinder passiert das irgendwann einfach nebenbei. Erst wird ein bisschen gewackelt, dann wird sich abgestützt und irgendwann sitzen sie da. Ähnlich wie bei fast allem, läuft auch hier viel über den Sehsinn.

Also mussten wir mal wieder ein bisschen nachhelfen.




Erst einmal mit Unterstützung

Am Anfang saß unser Sohn hauptsächlich mit Unterstützung. Also angelehnt an Mama oder Papa und mit möglichst viel Körperkontakt.

So konnte er erst einmal herausfinden, wie sich diese neue Position überhaupt anfühlt.

Denn Sitzen bedeutet ja nicht einfach nur, dass man irgendwie auf seinem Hintern landet. Der ganze Körper muss plötzlich anders arbeiten. Der Rumpf muss stabilisieren, das Gleichgewicht muss gehalten werden und man muss überhaupt erst einmal ein Gefühl dafür bekommen, wo der eigene Körper gerade ist.

also wurde gesessen, immer wieder.




Essen im Sitzen

Eine ganz einfache Möglichkeit, Sitzen in den Alltag einzubauen, war das Essen.

Zuerst im Hochstuhl, später an einem kleinen eigenen Tisch.

Das hatte für uns den Vorteil, dass Sitzen nicht ständig als „Übung“ daherkommen musste.

Er saß, weil es etwas zu essen gab.

Und Essen ist schließlich ein ziemlich guter Grund, irgendwo sitzen zu bleiben.




Sitzen im Fahrradanhänger

Auch unser Fahrradanhänger wurde nebenbei zu einem kleinen Trainingsgerät.

zuerst noch halb liegend in der Hängematte und, als er dafür zu groß wurde, auch sitzend. Eine völlig neue Körpererfahrung, die schon vor dem Losfahren beginnt!


Anschnallen! Helm druff! Komisches Bändchen unter dem Kinn! Schaumstoffkissen zur Stabilisierung links und rechts geben nochmal Begrenzung und Information! Zugegeben, die überfürsorgliche Mama hat auf den Schaumstoffkissen bestanden, um den Kleinen Mann etwas zu stützen in dem riesigen Gefährt! :)


Beim Fahrradfahren selbst gibt es schließlich jede Menge Bewegung: Anfahren, Bremsen, Kurven, kleine und große Unebenheiten …

Und wer schon einmal mit dem Fahrrad durch Hamburg gefahren ist, weiß: Für die Tiefenwahrnehmung gibt es hier eigentlich genug kostenloses Trainingsmaterial.


Natürlich sind wir nicht absichtlich über jedes Schlagloch gefahren. Aber die unterschiedlichen Bewegungen haben ihm viele Informationen über seinen Körper und seine Sitzposition gegeben.

Und ganz nebenbei konnte er sich an das Sitzen in einer ungewohnten Situation gewöhnen. Er hat es geliebt von Anfang an!




Ein Therapiestuhl für die Kita

Unsere Kita gehört zu einer der größeren Ketten in Hamburg und hatte tatsächlich die Möglichkeit, sich kurzfristig einen Therapiestuhl zum Essen von einer anderen Kita zu organisieren.

Das ist ziemlich praktisch.

So hatte unser Sohn auch in der Kita eine Möglichkeit, sicher und stabil mit am Tisch zu sitzen.

Plötzlich war die Welt nicht mehr nur auf dem Boden interessant. Er konnte aufrechter sitzen und aus dieser Position heraus seine Umgebung erleben.




Sitzen muss interessant sein

Wir haben außerdem versucht, Sitzen mit Dingen zu verbinden, die er wirklich spannend fand.

Interessante Spiele fanden deshalb möglichst im Sitzen statt. Musik, Geräusche, Dinge zum Fühlen und andere Aktivitäten, die seine Aufmerksamkeit geweckt haben, konnten wir nutzen, um die Sitzposition interessanter zu machen. Auch der Little Room wurde dementsprechend umgestaltet.




Was uns geholfen hat

Letztendlich war es wahrscheinlich nicht die eine große Methode, die zum Erfolg geführt hat.

Es war die Summe aus vielen kleinen Dingen:

  • immer wieder hinsetzen und die Position kennenlernen

  • Bewegungsabläufe mit der Physiotherapie üben

  • möglichst viele unterschiedliche Körpererfahrungen ermöglichen

  • Sitzen beim Essen ganz selbstverständlich in den Alltag einbauen

  • interessante Spiele und Aktivitäten im Sitzen anbieten

  • verschiedene Sitzmöglichkeiten ausprobieren

  • und vor allem: Geduld haben.


Sehr viel Geduld.

Denn gerade bei einem blinden Kind können Entwicklungsschritte länger dauern oder einen anderen Weg nehmen.

Und irgendwann kommt dieser Punkt, an dem man sich fragt, ob das mit dem Sitzen eigentlich jemals etwas wird.

Bei uns kam die Antwort dann ziemlich unspektakulär:

Er setzte sich hin.

Einfach so.

Und natürlich war dieser kleine Moment für uns riesig!

Denn manchmal merkt man erst im Rückblick, wie viele kleine Schritte eigentlich nötig waren, damit etwas plötzlich ganz selbstverständlich aussieht.




Danke fürs Lesen! Ich hoffe, ich konnte euch ein bisschen zum Sitzen bringen. 😄





 
 
 

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen

Die Inhalte dieses Blogs dienen ausschließlich der Information und spiegeln persönliche Erfahrungen wider. Sie ersetzen keine fachliche oder medizinische Beratung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte wird keine Haftung übernommen. Kommentare müssen sachlich bleiben; beleidigende oder rechtswidrige Inhalte werden entfernt.

​

© 2035 by blindeskind. Powered and secured by Wix 

bottom of page