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Essen mit allen Sinnen! Wie Kinder ihre Welt erschmecken...

Aktualisiert: 13. Juli



„Das Auge isst mit“, heißt es ja immer.

Tja. Bei blinden Kindern eben nicht.

Und trotzdem. oder vielleicht gerade deswegen, ist Essen eine der intensivsten Arten, die Welt zu entdecken. Nur eben anders, als man es sich vorher oft vorstellt.

Denn Essen ist am Anfang häufig gar nicht wirklich Essen. Es ist erst mal Erkunden. Spielen. Ausprobieren.

Während sehende Kinder anschauen können, was auf ihrem Teller liegt, entdecken blinde Kinder Nahrung vor allem über Hände und Mund. Es wird gefühlt, zerdrückt, sortiert, geknetet, geworfen und manchmal auch probiert. Hände im Essen sind dabei kein „schlechtes Benehmen“, sondern echtes Lernen.


Wie fühlt sich das an? Ist das weich, glitschig, warm oder kalt?

Kann man das greifen?

Wie fühlt es sich im Mund an?

Der Mund wird dabei genauso, oder sogar noch mehr, zum Entdecken genutzt wie die Hände. Essen wird nicht einfach nur gegessen, sondern mit allen Sinnen erforscht.

Und ja: Das bedeutet oft eine ziemliche Sauerei.

Aber genau dieses Matschen, Fühlen und Probieren ist ein wichtiger Teil davon, Essen überhaupt erst kennenzulernen.



Der Kita-Faktor !

Zuhause wird die Kartoffel nicht mal angefasst.. fühlt sich komisch an! Schmeckt bestimmt auch so! Lass ich liegen..

In der Kita? Wird alles gegessen.

Natürlich.

Warum?

Vielleicht weil andere Kinder da sind? Weil Abläufe anders sind? Weil Gruppendynamik wirkt, auch ohne Sehen?

Keine Ahnung!

Aber auch irgendwie beruhigend, denn bei sehenden Kindern ist zumindest das auch nicht anders.




Der Weg zum Essen ....ist länger als gedacht!

Was oft nicht bedacht wird und was auch uns erst später klar wurde: Essen lernen besteht, zumindest war bei uns so, aus mehreren einzelnen Schritten.

Und die müssen eventuell erst gelernt werden.


  1. Brei

    Plötzlich kommt etwas mit dem Löffel in den Mund ! Pfui! Raus damit!

    Das ist erst mal ungewohnt und wird oft ausgespuckt, da sowohl Löffel als auch Brei neu sind.


  2. Brei mit Stückchen

    Wenn es mit dem Brei funktioniert, könnten langsam Stückchen dazukommen.

    Da auch diese neu und ungewohnt sind, werden sie eventuell erst mal aussortiert.

    -Falls euer Kind den Brei nimmt, die Stücke aber im Mund fein säuberlich sortiert und wieder ausspuckt, ist nicht schlimm! Habt Geduld!


  3. Festes Essen kauen

    Plötzlich ein komischer Klops im Mund, und große Verwirrung!

    Da allerdings sowieso fast alles Neue über den Mund erkundet wird, kann man hier super spielerisch herangehen.


    - Fruchtsauger:

    Macht Spaß, ist super spannend und das Kind lernt, wenn ich auf Dingen herumkaue, passiert etwas Tolles. Wir haben die Sauger erst mit dem Lieblingsbrei (Birnenmus) gefüllt und dann mit Birnenstückchen. Oder auch Melone. Weintrauben, halbiert oder angeritzt, funktionieren ebenfalls super! Da muss das Kind schon intensiver drauf herumkauen, um an den leckeren Saft zu kommen!


    - weiches Obst erkunden lassen:  

    Nachdem das mit dem Sauger geklappt hatte, haben wir weich gedämpfte Birne zum Erkunden gegeben. Hat er erst nur drauf herumgelutscht, aber schon bald darauf fröhlich durchgekaut ....und wieder ausgespuckt.


    - > wenn euer Kind schon im Mund Sachen sortiert und auch gezielt wieder nach draußen befördert, statt es zu schlucken, ärgert euch nicht! Das ist im Grunde sehr positiv und zeigt euch, dass euer Kind seinen Mundraum und die Zunge feinmotorisch gut im Griff hat. Die Gefahr, sich zu verschlucken, sinkt dadurch .


  4. Gekautes Essen schlucken

    Fühlt sich wieder anders an. Manche Kinder (unseres natürlich auch!) kauen nur und schlucken nicht, da sie das Kauen eher als Spiel ansehen als als "Vorgang des Essens".

    - Wir haben beim "Vorgang des Essens" zusätzlich zum Brei immer auch weiche Birne angeboten, die er ja schon vom Durchkau-und-wieder-Ausspuck-Spiel kannte.


  5. Selbst essen

    Essen greifen und zum Mund führen ist oft der einfachste Schritt, da er alle vorigen Schritte enthält.

    -die weiche Birne lag auf einem haptisch interessantem Teller mit Noppen. Beim darauf herumfühlen wurde die Birne entdeckt und zur Untersuchung in den Mund geführt. Dann heisst es nur noch Geduld haben! Immer wieder probieren und irgendwann haben sie,s verstanden.

    -> Bei uns kam es quasi über Nacht. Der Lütte saß zwischen uns auf dem Sofa und hatte die Schüssel mit dem Popcorn entdeckt, Popcorn genommen, in den Mund gesteckt, gekaut und heruntergeschluckt! Seitdem läufts!


  6. Safety First!

    bei aller Motivation muss auch unbedingt gesagt werden, dass gerade beim Essen Sicherheit immer vorgeht! Die Kleinen verschlucken sich ja schon mal!

    Bei blinden Kindern fällt zusätzlich oft weg, dass sie sich optisch am Essen orientieren können. Manche haben eventuell zusätzlich noch weitere Einschränkungen. Deshalb sollte Essenlernen immer begleitet werden, in Ruhe stattfinden und dem Entwicklungsstand des Kindes angepasst sein.

    Entdecken ja! Aber niemals unbeaufsichtigt.



Manchmal brauchen Kinder hier Unterstützung durch Logopäden, um den Kau- und Schluckprozess zu lernen. Die haben oft ganz tolle Ideen, neue Herangehensweisen, Hilfsmittel und Tipps.

Manchmal sind Kinder aber auch weniger kompliziert als unseres und essen einfach. Ohne viel Drama! Falls das Euch betrifft: Glückwunsch! :)




Selbstständig essen <-> Theorie vs. Realität

Klingt einfach. „Das Kind isst selbst.“

In der Praxis:

Erstmal muss der Teller gefunden werden.

Dann das Essen darauf.

Dann entschieden werden: Finger oder Besteck?

Spoiler: Finger gewinnen oft, was völlig in Ordnung ist!

Versucht mal, mit geschlossenen Augen mit Besteck zu essen! Frustrierend!

Hilfsmittel können den Weg erleichtern:

  • rutschfeste Teller mit Rand sind Gold wert!

  • angepasstes Besteck, falls es benutzt wird.

Und vor allem: immer gleiche Abläufe.

Gleicher Platz, gleiche Reihenfolge, klare Handführung, auch um Sachen wieder auf den Teller zurück zu legen!

Das gibt Sicherheit in einer Situation, die sonst ziemlich unübersichtlich sein kann.




Essenszeiten… dürfen chaotisch sein

Es gibt Tage, da läuft es super.

Und dann gibt es Tage, da dauert eine Mahlzeit gefühlt drei Stunden, endet in einem kompletten Outfitwechsel und man fragt sich, ob überhaupt irgendwas im Magen gelandet ist.

Ganz ehrlich?

„1 Mahlzeit, 1 Stunde, 1 Outfit“ ist (bei uns zumindest) Standard, seit der Lütte alleine isst.

Unserer Erfahrung nach hilft ein eigener kleiner „Erkundungsbereich“ am Tisch, wo genau das erlaubt ist, ohne dass Mama und Papa selbst komplett mit paniert werden 😉


Es hilft, die Erwartungen ein bisschen runterzuschrauben und es mit Humor zu sehen.



Bei uns hat der Kleine sogar seinen eigenen Tisch zum freien Entdecken, Schmieren, Krümeln und auch Essen. Funktioniert für uns super!
Bei uns hat der Kleine sogar seinen eigenen Tisch zum freien Entdecken, Schmieren, Krümeln und auch Essen. Funktioniert für uns super!




Einfache Lieblingsgerichte für kleine Hände

Unsere Erfahrung: Gut funktioniert klassisches Fingerfood. Alles in handlicher Größe. Essen muss außerdem spannend im Mund sein! Es darf knacken, knuspern und intensiv schmecken!

Klassiker bei uns:

  • Obst und Gemüsesticks roh

  • Kartoffelecken, gerne pikant gewürzt

  • auch Pommes und Chicken Nuggets sind beliebt

  • gekochtes Gemüse in handlicher Größe

  • Knäckebrot

  • Reiswaffeln

  • Nudeln

  • Marmeladenbrötchen -ja, Marmelade! Die einzige Süßigkeit, die unser Kleiner akzeptiert, also was solls!

  • Lachs und Fleisch wird immer zuerst gegessen...



Erlaubt ist, was gefällt

Es sollte möglichst Verschiedenes angeboten und auch beim Essen immer wieder benannt werden, damit euer Kind einen Namen zu einem bestimmten Geschmack lernt. Auch Nicht-Fingerfood wie Kartoffelpürree, Reis oder Nudeln mit Soße sollte auf dem Speiseplan stehen, auch wenn das in heillosem Geschmiere und einem Bade-Tag endet! Auch diese Texturen müssen kennengelernt werden.




Fazit

Essen bei blinden Kindern ist nicht einfach nur Nahrungsaufnahme.

Es ist ein großes Stück Weltentdeckung.

Es braucht Geduld. Struktur. Und die Bereitschaft, auch mal beide Augen zuzudrücken 😉

Nicht der saubere Teller ist das Ziel.

Sondern ein Kind, das mit Neugier isst, ausprobiert, und Schritt für Schritt seinen eigenen Weg findet.



besagte Fruchtsauger. Gibts in großer Auswahl bei Amazon.
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Teller mit Nopprn. Davon haben wir einen mit in die Kita gegeben , sie sind genauso begeistert wie wir! Die gehen auch mit auf Ausflüge oder in den Urlaub. Unsere Favoriten sind die von Moonkie (hier der Gelbe) , gibts bei Amazon. Die haben nur einen großen Saugnapf und halten am besten.
Teller mit Nopprn. Davon haben wir einen mit in die Kita gegeben , sie sind genauso begeistert wie wir! Die gehen auch mit auf Ausflüge oder in den Urlaub. Unsere Favoriten sind die von Moonkie (hier der Gelbe) , gibts bei Amazon. Die haben nur einen großen Saugnapf und halten am besten.




Danke fürs Lesen und viel Spaß beim Weltentdecken, Matschen und Krümel-vom-Boden-sammeln!






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