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Schlaf Kindlein Schlaf....

Aktualisiert: 22. Sept.

Warum Tag und Nacht manchmal verschwimmen





Schlaf ist bei Kindern ohnehin ein Dauer-Thema. Bei blinden Kindern kommt aber noch eine Besonderheit dazu: Der Tag-Nacht-Rhythmus fehlt oft. Und das kann die Nächte zur echten Herausforderung machen. Für das Kind, aber auch für uns Eltern.




Warum ist das so?


Sehen ist für den Körper ein wichtiger Taktgeber. Das Auge nimmt Licht und Dunkelheit wahr und gibt dem Gehirn das Signal: „Jetzt ist Tag, jetzt ist Nacht. Das hängt mit der Bildung von Melatonin zusammen, oder in diesem Fall der Nicht-bildung. Melatonin sorgt dafür, dass wir müde werden, wenn es dunkel wird. Gsteuert wird diesre Vorgang über die Augen. Wenn jemand blind ist, und vor allem, wenn keinerlei Lichtwahrnehmung vorhanden ist, fehlt dieser natürliche Rhythmus. Der inneren Körperuhr kann es dann schwerfallen, sich auf 24 Stunden einzupendeln.

Die Folge:

  • Einschlafen dauert ewig.

  • Kinder sind nachts hellwach und tagsüber müde.

  • Routinen geraten durcheinander.



Wir haben schnell gemerkt: Der Schlaf funktioniert bei unserem Kind nicht so wie bei anderen Kindern. Während andere Eltern von „ab 19 Uhr ins Bett und durchschlafen“ berichten, sitzen wir oft noch nachts um zwei Uhr mit einem quietschfidelen Kind im Wohnzimmer.

Natürlich ist das anstrengend für alle. Gleichzeitig haben wir gelernt, dass Regeln allein hier nicht helfen. Wir mussten unseren eigenen Weg finden, zwischen Struktur, Geduld und manchmal auch schlicht „Augen zu und durch“.



Was helfen kann

Jedes Kind ist anders, aber es gibt ein paar Dinge, die wir, und andere Eltern, als hilfreich erlebt haben:


  • Feste Abend-Routinen

    Immer gleiche Abläufe vor dem Schlafengehen: gleiche Lieder, gleiche Geräusche, gleiche Reihenfolge. Das gibt Sicherheit.


  • Genauso tagsüber: Feste Tagesabläufe

    Feste Essenszeiten, Termine immer zu gleichen Zeiten,

    der fest geplante Tagesablauf in der Kita hilft enorm


  • Akustische Signale statt visuelle

    Musik, Geräuschquellen oder bestimmte Spieluhren, die klar „Abend“ signalisieren.


  • Gerüche und Berührungen

    Ein Duft (z. B. Lavendel) oder eine bestimmte Massage vor dem Schlafengehen können helfen, ein Signal für „jetzt ist Ruhezeit“ zu setzen.


  • Geduld und Flexibilität

    Manchmal klappt es nicht nach Plan. Dann hilft es, sich nicht zu sehr an typischen Elternratgebern zu orientieren, sondern zu akzeptieren, dass der Rhythmus bei blinden Kindern einfach anders sein kann.


  • Medizinische Unterstützung

    Manche Familien nutzen – in Absprache mit Ärzt:innen – Melatonin. Das kann helfen, den Tag-Nacht-Rhythmus zu stabilisieren. Aber: Das ist keine Selbstlösung, sondern gehört unbedingt in ärztliche Begleitung.




Erfahrungsbericht : Schlafen in Schichten!

Bei uns läuft es meistens so: Es schläft derjenige zuerst, der am nächsten Morgen früher raus muss. Von Vorteil ist natürlich, dass wir beide im Schichtdienst arbeiten. So können wir uns ein Stück weit abwechseln. Trotzdem gibt es Nächte, in denen wir beide so erschöpft sind, dass wir gleichzeitig ins Bett fallen.

Tagsüber versuchen wir, unser Kind wachzuhalten und für ausreichend Aktivität zu sorgen. Eine Garantie für ruhige Nächte ist das allerdings nicht. Es passiert schon mal, dass er 24 Stunden wach ist, und dann aber auch 12 Stunden am Stück durchschläft. In solchen Momenten lassen wir ihn einfach schlafen – nicht zuletzt, um selbst etwas Ruhe zu bekommen.

Wenn er nachts wach und aktiv ist, holen wir ihn oft zum Kuscheln ins große Bett, um gemeinsam ein bisschen „runterzufahren“. Kommt er trotzdem nicht zur Ruhe, bringen wir ihn irgendwann in sein eigenes Bett. Aus unserem würde er rausfallen wenn wir schlafen und er dort unterwegs ist. Damit er in seinem Bett sicher ist, haben wir dort eine Art Barriere als Rausfallschutz angebracht. Das war uns wichtig, da wir schon vor seiner Geburt ein normales Bett gekauft hatten, und bisher klappt das erstaunlich gut.

Als Einschlafhilfe gibt es abends manchmal ein Getränk mit Melatonin und natürlich viel Kuscheln. Aber auch das hilft nicht immer. Es gibt Nächte, in denen er einfach durchgehend wach und aktiv ist. Egal, was wir versuchen.



Fazit

Schlaf bei blinden Kindern ist oft eine Herausforderung – nicht nur für die Kinder, sondern für die ganze Familie. Ein fester Rhythmus, kleine Rituale und viel Geduld können zwar helfen, aber es gibt trotzdem keine Garantie. Und manchmal braucht es auch medizinische Unterstützung.

Wichtig ist: Ihr seid damit nicht allein. Viele Eltern stehen vor denselben Fragen. Perfekt schlafen ist hier nicht das Ziel – sondern einen Weg zu finden, der für euer Kind und für euch funktioniert.



Danke fürs Lesen !

Dieser Beitrag ist in einer durchwachten Nacht entstanden und vielleicht ja auch in einer gelesen worden...





























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