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Ein bisschen was Organisatorisches...

Aktualisiert: 3. Sept. 2025

Nach der Diagnose „Blindheit“ kamen bei uns schnell viele organisatorische Fragen auf. Ämter, Anträge, Unterstützungsangebote: all das war für mich völliges Neuland. Umso glücklicher war ich, dass uns unsere Frühförderin direkt an die Hand genommen und auf vieles aufmerksam gemacht hat. Es gibt tatsächlich Hilfe – und man sollte sie unbedingt nutzen!

Die wichtigsten Infos habe ich hier für euch zusammengefasst.




Frühförderung – ein unscheinbares Wort für eine großartige Sache!




Was ist Frühförderung?


Frühförderung richtet sich an Kinder von Geburt bis zum Schuleintritt, die eine Entwicklungsverzögerung haben oder bei denen eine Behinderung droht. Ziel ist es, die Entwicklung so gut wie möglich zu unterstützen – damit Einschränkungen abgemildert oder im besten Fall sogar verhindert werden können.

Das Besondere: Die Förderung ist immer individuell. In interdisziplinären Teams wird gemeinsam mit den Eltern geschaut, was das Kind gerade braucht und wie man es am besten begleiten kann.


Frühförderung spielt eine riesige Rolle, wenn es um die Entwicklung blinder Kinder geht.Denn hier bekommen Eltern und Kinder nicht nur Tipps, sondern echte Unterstützung, die den Alltag leichter macht und die Fähigkeiten des Kindes Schritt für Schritt stärkt.

Solche Programme sind unglaublich vielseitig. Sie können zum Beispiel beinhalten:

  • Sinneswahrnehmung: Spielerische Aktivitäten, die Hören, Fühlen oder Riechen anregen – damit die Welt Stück für Stück erfahrbarer wird.

  • Motorische Fähigkeiten: Kleine Übungen und Spiele, die Bewegungen fördern – von groben Bewegungen wie Drehen oder Krabbeln bis hin zu feineren Dingen wie Greifen.

  • Soziale Fähigkeiten: Gelegenheiten, Kontakt zu anderen Kindern zu haben, um voneinander zu lernen und gemeinsam Spaß zu erleben.

Das Schöne daran: Alles passiert in einem geschützten Rahmen, angepasst an das jeweilige Kind – und es geht immer darum, Neugier zu wecken und Selbstvertrauen wachsen zu lassen.




An wen kann man sich wenden?


In Hamburg gibt es viele Frühförderstellen. Besonders hervorheben möchte ich den Verein Freunde blinder und sehbehinderter Kinder e.V.“, der auf Kinder mit Sehbeeinträchtigung spezialisiert ist – ein echter Glücksgriff, auf den ich zufällig gestoßen bin. Die Frühförderstelle ist direkt an die einzige Blindenschule Hamburgs angeschlossen. Für uns war sofort klar: Dort melden wir uns.




Wie läuft die Frühförderung ab?

Die Abläufe können je nach Bundesland unterschiedlich sein. Für uns in Hamburg sah es so aus:


  1. Kontaktaufnahme:

    Ein Anruf bei der auf der Website angegebenen Nummer genügte. Kurz darauf meldete sich eine Heilpädagogin, die uns auch betreuen würde, um einen Termin bei uns zuhause zu vereinbaren.


  2. Erstbesuch zuhause:

    Sie kam mit einem Stapel Unterlagen – den sie zunächst zur Seite legte. Wichtig war ihr, unseren Kleinen erst einmal kennenzulernen. Sie war unglaublich liebevoll und einfühlsam. Ihre Erfahrung war deutlich zu spüren, und ich hatte sofort Vertrauen. Nachdem unser Sohn eingeschlafen war, besprachen wir gemeinsam alle Unterlagen. Sie erklärte uns geduldig alles – unter anderem Begriffe wie Blindengeld und Schwerbehindertenausweis, die direkt auf unsere To-Do-Liste wanderten.


  3. Medizinisch-pädagogische Diagnostik:

    Einige Wochen später fand ein weiterer Termin statt – nicht mehr zuhause, sondern extern. Eine Ärztin, die mit dem Blindenverein zusammenarbeitet, beurteilt dabei u. a. Verhalten und Mobilität des Kindes. Unsere Frühförderin ist bei diesem Gespräch immer mit dabei. Ziel ist es, einen individuellen Förder- und Behandlungsplan zu erstellen. Dieser kann z. B. Leistungen wie Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie oder weitere Frühförderangebote enthalten. Der Plan kam etwa eine Woche später per Post, eine Kopie ging an das Büro unserer Frühförderin.


  4. Regelmäßige Frühfördertermine:

    Unsere Frühförderin besucht uns seither einmal pro Woche, immer am gleichen Wochentag zur gleichen Uhrzeit – erst zuhause, später dann auch in der Krippe/Kita. Die Termine dauern 90 Minuten. Die Besuche zuhause sind nicht nur für das Kind ideal, sondern auch für uns Eltern eine enorme Entlastung und Bereicherung. Ich habe in diesen Sitzungen unglaublich viel gelernt und mehr Sicherheit im Umgang mit meinem Kind gewonnen.


  5. Zusätzliche Therapien:

    Parallel waren wir auch bei einer Physiotherapeutin für Säuglinge. Wichtig zu wissen: Wird eine Therapie im Frühförderplan aufgeführt, erfolgt die Abrechnung direkt über die Frühförderung – ein separates Rezept vom Kinderarzt ist nicht nötig. Unsere Frühförderin brachte uns einen Vordruck mit, den wir bei der Physiotherapie abgegeben haben. Damit war alles geregelt, wir mussten nur noch bei jeder Behandlung unterschreiben.





Schwerbehindertenausweis – warum er wichtig ist


Ab wann gilt man als schwerbehindert?

Ein Schwerbehindertenausweis kann beantragt werden, wenn ein Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50 festgestellt wird – das gilt bei dauerhaften oder länger als sechs Monate andauernden körperlichen, geistigen oder seelischen Einschränkungen.


Warum sollte man ihn beantragen?

Auch wenn er nicht zwingend notwendig ist, bringt er viele Vorteile:

  • Erleichterte Beantragung des Blindengeldes

  • Ermäßigungen, z. B. in Schwimmbädern oder im ÖPNV

  • Begleitpersonen können kostenlos mitfahren

  • Besonderer Kündigungsschutz und frühere Rente

In Hamburg kann man den Antrag ganz einfach online auf hamburg.de stellen. Dort steht auch, welche Unterlagen benötigt werden.




Blindengeld & Blindenhilfe – was ist der Unterschied?


Wann gilt man als blind?

  • Sehschärfe auf dem besseren Auge unter 2 %

  • Gesichtsfeld kleiner als 5 Grad

  • Auch Kombinationen aus geringer Sehschärfe und eingeschränktem Gesichtsfeld zählen

  • Entscheidend ist ein ärztlicher Nachweis durch einen Augenarzt



Blindengeld

Das Blindengeld ist eine monatliche finanzielle Unterstützung für blindheitsbedingte Mehrausgaben – z. B. Haushaltshilfe, Hilfsmittel, barrierefreie Texte.

  • Es ist nicht einkommensabhängig (jemand der Gehalt bekommt, erhält es genauso wie jemand der z.B. Bürgergeld bekommt.)

  • Es wird je nach Bundesland unterschiedlich hoch gezahlt

  • Auch in Hamburg kann man den Antrag unkompliziert online stellen



Blindenhilfe

Die Blindenhilfe ist eine bundesweit geregelte Sozialhilfeleistung, die nur bei zusätzlicher Bedürftigkeit gezahlt wird (also geringes Einkommen/Vermögen). Sie wird nur dann gezahlt, wenn das Blindengeld niedriger ist als die Blindenhilfe.



Tipp:

In Hamburg fällt das Blindengeld für Kinder höher aus als die Blindenhilfe – ein klarer Vorteil. Es lohnt sich also, direkt das Blindengeld zu beantragen. Bei Fragen hilft die Frühförderung oder der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) mit kostenloser Beratung weiter.




Danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt. Vielleicht helfen euch meine Erfahrungen, die nächsten Schritte etwas sicherer und entspannter zu gehen




 



 


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